Schiffsfonds

In den letzten Jahren haben zahlreiche Anleger von Schiffsfonds in vielen Fällen unangenehme Nachrichten erhalten. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung(1) aus dem Jahre 2015 haben 275.000 Anleger aus Deutschland binnen weniger Jahre 30 Milliarden Euro in Schiffe investiert. Etwa 500 Schiffsfonds waren bereits im Jahre 2015 insolvent.

 

 

Bei den Schiffsfonds handelt es sich in der Regel um geschlossene Fonds, die das von den Anlegern eingesammelte Kapital in den Bau oder Erwerb von Seeschiffen investieren. Meistens wird die Gesellschaft in Form einer GmbH & Co. KG betrieben, bei der sich die Anleger direkt oder über eine Treuhandgesellschaft als Kommanditisten beteiligen. Ist der festgelegte Betrag erreicht, wird die Zeichnungsphase beendet und der Fonds geschlossen.

 

 

Anbieter von Schifffonds sind Emissionshäuser, die die Anteile über Banken oder Anlageberater/-vermittler vertreiben.

 

 

Die größten Emissionshäuser sind(2):

 

  • Atlantic
  • BS Invest
  • Bluewater Capital
  • Buss Capital
  • CASTOR Kapital
  • CFB-Fonds
  • ConRendit Containerfonds
  • CONTI
  • Doric Asset Finance
  • Dr. Peters-Gruppe
  • Elbe Emissionshaus
  • Embdena Partnership GmbH
  • Fondshaus Hamburg
  • GEBAB
  • Hamburgische Seehandlung
  • Hannover Leasing
  • Hansa Treuhand
  • Hanse Capital HC
  • HCI Capital AG
  • HTB Hanseatische Schiffsfonds GmbH & Co. KG
  • KGAL GmbH & Co. KG
  • König & Cie.
  • Lloyd Fonds AG
  • MPC Münchmeyer Peter Capital AG
  • Nordcapital GmbH
  • Norddeutsche Vermögensanlage
  • Oltmann Gruppe
  • OwnerShip Emissionshaus GmbH
  • Premicon AG
  • PCE Premium Capital Emissionshaus
  • Salamon AG

 

Bei der Investition in einen Schiffsfonds handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung, die nicht nur einem Totalverlustrisiko unterliegt, sondern unter bestimmten Voraussetzungen besteht auch die Möglichkeit, dass Gläubiger oder der Insolvenzverwalter der Gesellschaft bereits erhaltene Ausschüttungen von den Anlegern zurückfordern.

 

 

Für viele Anleger hörten sich die Argumente für eine Beteiligung an einem Schiffsfonds überzeugend an. Kapitalauszahlungen, jährliche Ausschüttungen und positive steuerliche Aspekte bei angeblich nur theoretischen Risiken. Hierauf haben sich viele Anleger verlassen. Im Jahre 2008 war es soweit. Infolge der weltweiten Finanzkrise brachen die Charterraten ein, Ausschüttungen blieben aus und Insolvenzen standen an. Das oftmals nicht hinreichend dargestellte Risiko der Beteiligung an einem Schiffsfonds trat ein.

 

 

Was Anleger häufig nicht wissen: Anleger geschlossener Fonds zahlen neben dem Agio weitere Vermittlungsprovisionen. Bei Schiffsfonds betrugen diese im Jahre 2010 nach Angaben des Branchenkenners Scope 10,6% des eingesetzten Eigenkapitals (3). Damit nicht genug. Hinzu kommen noch weitere sogenannte „weiche Kosten“. Dies sind etwa Kosten für die Prospektierung, für Treuhänder und für Steuer- und Rechtsberatung. Die gesamten weichen Kosten (einschließlich der Vermittlungsprovisionen) betrugen im Jahre 2010, so die Angabe von Scope, durchschnittlich etwa 20% des gesamten Eigenkapitals. Diese 20% fließen nicht in das Investitionsgut.

 

 

Betroffene Anleger können unter bestimmten Voraussetzungen das eingesetzte Geld zurückbekommen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn die Beteiligung über einen Anlageberater/-vermittler vertrieben wurde und eine rechtlich nicht hinreichende Beratung erfolgte. In einer solchen Beratung ist ausreichend über die Risiken der Beteiligung aufzuklären. Ebenfalls kann über die mangelnde Möglichkeit, den Fonds zu handeln, aufzuklären sein. Ferner kann auch eine unterlassene Aufklärung über erhaltene Provisionen Schadensersatzansprüche auslösen. Eine Beratung hat ferner anleger- und objektgerecht zu erfolgen. Dies bedeutet, der potentielle Anleger muss nach seinen Erfahrungen mit Anlagen, seine Risikobereitschaft, über seine Anlageziele und über seine finanziellen Verhältnisse befragt werden. Anlageformen müssen von diesen Angaben ausgehend, für den Anleger geeignet sein.

 

 

Ein Beispiel:

 

Das Landgericht Itzehoe hat mit Urteil vom 06.10.2016 – 7 O 236/13 – einem Anleger Schadensersatzansprüche gegen einen Anlageberater im Zusammenhang mit der Beratung und dem Erwerb von Beteiligungen an Schiffsfonds zugesprochen. Er habe, so das Landgericht, insoweit falsch beraten, als er dem Anleger die streitgegenständlichen Schiffsfonds angedient habe. Schiffsfonds seien, so betont das Landgericht ausdrücklich, nämlich nur für Anleger geeignet, die erhebliche Erfahrungen mit derartigen Beteiligungen hätten und auch bereit seien, die besonderen Risiken, die mit Schiffsfonds verbunden seien, einzugehen. Sie seien zur Altersvorsorge generell ungeeignet, weil es sich um hochspekulative Anlagen handle, die mit sehr hohen Chancen, aber auch mit außerordentlich hohen Risiken verbunden seien. Die Erfolgschancen, so das Landgericht weiter, seien maßgeblich abhängig von Konjunktur und Krise der Seeschifffahrt. Existenzielle Krisen seien in der Seeschifffahrt in der Vergangenheit jedoch in regelmäßigen Abständen aufgetreten, mit der Folge wellenartig auftretender Insolvenzen von Seeschiffen in großer Zahl.

 

 

 

 

 

 

 

(1)http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geldanlage-dubiose-schiffsfonds-mit-vollen-segeln-in-die-pleite-1.2767642

 

(2)Aufzählung nach Steffens/Dreßler, Praxishandbuch Schiffsfonds, 2014, S. 29 ff.

 

(3)https://www.scoperatings.com/research/details%3Bjsessionid=FF361B6B4E7812885E51CEFFF982A3D1?ID=822&lC=DE